Die Vorlieben der Mücke sind keine Einbildung
Wer bei einem Grillabend im Freien auffällig oft gestochen wird, während andere kaum beachtet werden, kennt das Gefühl: Man fragt sich, ob man einfach Pech hat oder ob dahinter ein System steckt. Tatsächlich ist Letzteres der Fall. Mücken orientieren sich bei der Wahl ihrer Wirte an einer Reihe von Signalen, die teils genetisch bedingt, teils situationsabhängig sind.
Kohlendioxid als erster Lockstoff
Der wichtigste Orientierungsreiz für Stechmücken ist Kohlendioxid. Beim Ausatmen geben wir alle CO2 ab, doch die Menge variiert je nach Körpergröße, Stoffwechselrate und körperlicher Aktivität. Größere Menschen und solche, die sich bewegen oder Sport treiben, produzieren schlicht mehr davon. Mücken können diesen Signalstoff aus mehreren Metern Entfernung wahrnehmen und steuern gezielt auf die Quelle zu.
Körpergeruch und Hautbakterien
Mindestens genauso relevant wie CO2 sind die flüchtigen organischen Verbindungen, die unsere Haut ausdünsten. Diese entstehen vor allem durch den Stoffwechsel von Bakterien, die auf unserer Haut leben. Die Zusammensetzung dieser Mikrobiota unterscheidet sich von Mensch zu Mensch erheblich und ist zu einem großen Teil genetisch bestimmt. Bestimmte Verbindungen wie Milchsäure, Ammoniak oder Oktenol sind für Mücken besonders attraktiv.
Blutgruppe und Körperwärme
Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 häufiger gestochen werden als solche mit anderen Blutgruppen. Rund 85 Prozent der Menschen scheiden über die Haut Sekrete aus, die ihre Blutgruppe anzeigen. Mücken können diese Signale offenbar wahrnehmen. Zusätzlich spielen Körperwärme und Hauttemperatur eine Rolle, denn Mücken suchen gezielt warme Hautareale auf.
Schweiß und dunkle Kleidung
Wer stark schwitzt, zieht Mücken stärker an. Schweiß enthält neben Milchsäure auch andere Verbindungen, die als Lockstoffe wirken. Gleichzeitig bevorzugen Mücken dunkle Farbtöne, da sie sich bei der Orientierung auch an visuellen Kontrasten ausrichten. Wer an lauen Sommerabenden im Freien sitzt, tut gut daran, helle Kleidung zu tragen.
Was sich kaum verändern lässt
Viele der genannten Faktoren sind unveränderlich oder nur schwer zu beeinflussen. Dennoch ist es hilfreich, die Hintergründe zu kennen:
- Menschen mit höherer Stoffwechselrate werden häufiger gestochen
- Schwangere sind aufgrund von erhöhter Körperwärme und CO2-Produktion stärker betroffen
- Alkoholkonsum erhöht die Körpertemperatur und damit die Attraktivität
- Bestimmte Nahrungsmittel können die Zusammensetzung des Körpergeruchs beeinflussen
Die individuelle Anfälligkeit für Mückenstiche ist zu einem guten Teil in unserer Biologie verwurzelt und lässt sich nicht einfach wegdiskutieren.
Das Wissen um diese Zusammenhänge hilft zumindest dabei, gezieltere Schutzmaßnahmen zu ergreifen und zu verstehen, warum manche Strategien bei einer Person funktionieren, bei einer anderen jedoch weniger wirksam sind.
